Artist Profile: Felix Müller Stolz

Artist Profile: Felix Müller Stolz

58A: Du arbeitest im Kreativ-Konglomerat QRRR, wie heißt es jetzt?


Felix Müller Stolz: Wir heißen jetzt SO82. Das kam im Rahmen der Designtage Wiesbaden und wir haben Sarah und Peer mit ins Boot geholt, weil wir zeigen wollen, dass in Sonnenberg ein paar Leute coole Sache machen und nicht nur Muddis mit SUVs und Rentner wohnen ... ;)

58 A: Wie cool ist es mit unterschiedlichen Kreativen in einem Raum zu sitzen?


Felix Müller Stolz: Einen Raum mit anderen Kreativen zu teilen bedeutet von Menschen umgeben zu sein, die alle die gleiche Mission haben – sozusagen der SPIRIT.

Das ist für mich extrem motivierend, weil ich dazu neige mich mit meinen Ideen zu verzetteln und Ziele zwischendrin auch mal aus den Augen zu verlieren.

Auf der anderen Seite ist man aber auch sehr leicht Ablenkungen ausgesetzt, weil Kreative ja meist ein witziges Völkchen sind, was in Zusammenhang mit Deadlines zu einem Konflikt werden kann. Dann braucht man entweder gute Kopfhörer oder eine starke Disziplin – ich habe Kopfhörer ... ;-)

58 A: Du bist ja auch einer, der gerne ohne Computer malt. Was magst Du daran?


Felix Müller Stolz: Ich hatte grade am Wochenende mal wieder eines dieser Gespräche wo jemand zu mir sagt: "Ach so, Du malst mit dem Computer!" 

– so als wär dann ja klar, dass der alles Wichtige für einen übernimmt. Bei mir fängt aber jede Illustration immer mit ner Skizze an. Ich bin auf jeden Fall auch der Bleistift-Typ. Es gibt für mich nichts Direkteres. Ich habe eigentlich immer nen Stift in der Tasche, Papier gibt's überall. Aber ich habe großen Respekt vor der Malerei.

Unter diesem Aspekt hat mir der Computer die Dimension der Farbe eröffnet. Aber ich hab nen Kollegen mit dem gehe ich manchmal im Frankfurter Zoo Tiere zeichnen.

Ich liebe das. Einfach nur Stift, Papier und jede Menge Affen. Das könnte ich den ganzen Tag machen. :)


58A: Wenn Du wählen müßtest: Bilder malen oder surfen, was wäre es?


Felix Müller Stolz: Harte Frage. Da ich mindestens 4 Stunden fahren muss, um in Bedingungen surfen zu gehen, wofür ein Australier nicht mal ne Sekunde sein Bierglas absetzen würde, müsste die Antwort eigentlich sofort "Surfen" lauten.

Jeder, der sich dieses beschissene "Hobby" ausgesucht hat, kennt das wahrscheinlich. Du bist in Deinem Alltag eigentlich permanent mit der Frage beschäftigt: "Wann gehe ich das nächste Mal surfen?". Ich weiß aber auch aus den zwei Jahren, als ich die Möglichkeit hatte beinahe jede Minute im Wasser verbringen zu können, dass mich das alleine auf Dauer auch nicht happy machen würde. Also: der Stift ist und bleibt irgendwie meine erste Liebe.


58A: Es ist bekannt, daß Musik und Malen zusammengehören, wie siehst Du das?


Felix Müller Stolz: Ist das so? Das klingt ein wenig so, als würde man über den Zusammenhang zwischen Luft und Wasser sprechen. Aber Luft umgibt ja auch noch die anderen Elemente. Ich glaube Musik ist letzten Endes die beste Möglichkeit soetwas wie eine Seele auf die Reise zu schicken und sie neue Leute kennenlernen zu lassen. Dieses Phänomen ist in der Kunst zwar auch vorhanden, aber man benötigt da sehr fein geschulte Rezeptoren. Da ist die Musik als Medium viel universeller. Was ich an der Musik auch liebe, dass sie gleichzeitig über mehrere Sinne erlebt werden kann. Am Ende des Tages könntest Du alles wegstreichen, aber von Musik würde ich mich niemals trennen wollen.


58A: Kunst und Kommerzialisierung: Ab wo wird es scheisse?


Felix Müller Stolz: Ich bin sehr früh in den Genuss gekommen mit dem was als Freizeitvergnügen angefangen hat Geld zu verdienen – auch wenn ich da anfangs große Umwege genommen habe. Das mag zum Teil daran liegen, dass alle in meiner Familie, die künstlerisch tätig sind, damit auf sehr konkrete Weise ihren Lebensunterhalt bestreiten und ich denke, das hatte auch Einfluss auf meine eigene Perspektive. Ich habe das was ich mache lange eher als Dienstleistung verstanden. Man kann sagen, von der freien Kunst bin ich so weit weg, wie ein hessischer Landwirt vom Hochseefischen. Ich glaube, wenn ich der Welt etwas Wichtiges mitzuteilen hätte, würde ich eher die Musik wählen. Aber es ist extrem wichtig, dass es Menschen gibt, die der Welt zeigen, dass Geld und Komfort nichts wert sind, wenn es außer diesen beiden Dingen nichts gibt, für das es sich zu brennen lohnt. Aber wenn Du das Gefühl hat, der Typ malt nur noch, weil es sich finanziell für ihn lohnt, ist er für mich ab da ganz schnell uninteressant.


58A: Du bist einer der ersten Riege an Artists hier bei ARTBANG, was magst Du an dem Projekt?


Felix Müller Stolz: Dass Henrik und ich häufiger mal einen Vorwand haben Mittagspause in Frankfurt zu machen! ;-) Nee, ich fühle mich sehr geehrt, weil ich alle die da mitmachen sehr respektiere. Ich bin grade so happy mit dem was um mich herum passiert. Überall gibt es Verknüpfungen von Leuten, die sich zwar schon lange kennen, aber auf einmal machen sie Projekte zusammen. Das ist herrlich mitanzusehen. So kann's weitergehen!


58ARTBANG: Sushi oder Rote Beete Carpaccio mit Schafskäse?


Felix Müller Stolz: Carpaccio!!!


58A: Abgesehen vom Weltfrieden, was ist ein großer Wunsch von Dir?


Felix Müller Stolz: Also so weit muss man da ja nicht gehen. Ich finde, dass das was ich eben angesprochen hatte mit den Leuten und gemeinsamen Projekten, das geht schon in diese Richtung. Ich finde es schade, dass Menschen sich voneinander abschotten, Angst haben was zu teilen oder von sich preiszugeben. Das gibt's in der Kunst, in der Musik und im Leben dazwischen. Ich glaube es geht darum, dass man sich immer vor Augen führen muss, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Der Yuppi, der Typ vom Kiosk und der Hipster. Alle in der gleichen Stadt, alle im gleichen Land. Sind doch super Voraussetzungen um mal ne richtige Party zu feiern!


58A: Materialismusfrage: Was ist Deine nächste Anschaffung?


Felix Müller Stolz: Seit gestern steht dieses Gerät auf meinem Tisch mit dem mein Zeichentablet obsolet geworden ist ... mehr brauche ich momentan eigentlich nicht! ;)


Website:  www.fealiks.com

Bitte warten