Von virtuellen Computercharakteren zu echten Produkten „Made in Germany“: Die Story von FIFTYEIGHT PRODUCTS

Von virtuellen Computercharakteren zu echten Produkten „Made in Germany“: Die Story von FIFTYEIGHT PRODUCTS

Die Anfänge von FIFTYEIGHT PRODUCTS gehen auf das Animationsstudio FIFTYEIGHT 3D zurück. Im Jahr 1998 schickten sich die drei Gründer an, anspruchsvolle Computeranimation auf dem Niveau von Silicon Valley nach Hessen zu holen. Unsere Entstehungsgeschichte zeigt die Meilensteine der Entwicklung, inklusive dem Sprung zu realen Porzellanprodukten „Made in Germany“.


Wiesbaden kurz vor der Jahrtausendwende: Inspiriert von Videogames, japanischen Animationsfilmen und großen Computereffektspektakeln wie „Jurassic Park“ und „Toy Story“ wollen drei junge Gründer ein Stück Silicon Valley in die hessische Landeshauptstadt holen. Im Jahr 1998 gründen Timm Osterhold, Marc Eckart und Max Zimmermann gemeinsam das Computeranimationsstudio FIFTYEIGHT 3D in Wiesbaden. Das Hauptaugenmerk liegt von Anfang an auf emotional ansprechenden Computercharakteren, denen mit dreidimensionaler Animationssoftware ein Funke Leben und Persönlichkeit eingehaucht wird.


Das kostet damals noch richtig Geld – die nötige Rechenpower für 3D-Animation hat nicht so einfach jeder beliebige PC – also nimmt das Trio einen Gründerkredit auf: Das Jungunternehmer-Darlehen in Höhe von rund €153.000, vergeben von der Deutschen Darlehensbank und Deutschen Ausgleichsbank an vielversprechende Start-Ups, reicht für zwei High-End Computer, auf denen die in der Branche führende Software Softimage XSI läuft. Damit spielt FIFTYEIGHT 3D in der Liga der ganz Großen – von Japan bis Kalifornien. Fehlen nur noch die Kunden…


Die Kundschaft lässt nicht lange auf sich warten. Mit kreativen Ideen – und einem Fokus auf ausdrucksstarke Charaktere – setzt FIFTYEIGHT 3D große Projekte für MTV Europe, Sony Music, Nintendo und andere Weltkonzerne um. Ein entscheidender Meilenstein kommt durch eine Ausschreibung von Procter and Gamble: Das altgediente Markenmaskottchen „Meister Proper“ soll vom zweidimensionalen Zeichentrickcharakter zur voll animierten 3D-Figur entwickelt werden. FIFTYEIGHT 3D erhält den Zuschlag und lässt den sympathischen Glatzkopf als zeitgemäße Animationsfigur auferstehen. Der Clou: Die Animators von Fiftyeight 3D bringen der international bekannten Ikone – im englischsprachigen Raum „Mr. Clean“, auf Spanisch „Don Limpio“ – die nötige Gestik für virtuelle Auftritte in vier Sprachen bei.



Virtuelle Erfolge, reale Gehversuche

Der Erfolg mit Meister Proper spricht sich in der Werbebranche herum und das junge Studio wird zur Hausnummer in der – damals noch recht überschaubaren – europäischen 3D-Animationsszene. Die offizielle Bestätigung bringen Auszeichnungen wie der 1. Platz beim jährlichen Animago Preis sowie ein Silberner Cyber Lion beim Internationalen Werbefilmfestival in Cannes. Auch intern macht FIFTYEIGHT 3D Fortschritte: Im Jahr 1999 kommt Siham Morick (Producing) dazu und 2000 beschäftigt die ursprünglich von Timm Osterhold (Animation), Marc Eckart (Business) und Max Zimmermann (Design) im Alleingang geführte Firma bereits 12 Angestellte. Und der Laden brummt auch die nächsten Jahre über…


Neben Filmen mit weiteren Marken-Koryphäen wie dem Pritt Klebestift bespielt FIFTYEIGHT 3D auch Messestände mit interaktiven Video-Elementen und ist, was neue Technik angeht, immer experimentierfreudig. Auch Kunstprojekten gegenüber ist das Label nicht abgeneigt und holt mit der Veranstaltungsreihe „Art Bang“ befreundete Künstler zu gemeinsamen Ausstellungen und Events an Bord. Jedoch an echte Produkte – mal abgesehen von gerahmten Kunstdrucken, die auch heute noch im Online-Shop erhältlich sind – hätte in den frühen Zweitausendern niemand bei FIFTYEIGHT 3D gedacht. Schon gar nicht aus einem so traditionellen Werkstoff wie Porzellan. Aber dann kommt alles, wie so oft im Leben, anders als geplant und passiert quasi ganz von alleine.


Im Jahr 2004 schickt das Label als Gag zu Weihnachten einen Videoclip als E-Mail-Anhang an Kunden und Freunde (so lief das noch vor dem Siegeszug der sozialen Medien). Die Hauptdarsteller sind zwei freche, hessisch babbelnde Kaffeetassen, die einander vor dem trauten Weihnachtsbaum alles andere als weihnachtlich beschimpfen und anfeixen. Sofort treffen die frechen Tassen den Nerv der Zeit: Mehrere tausend Male wird der Clip geteilt und FIFTYEIGHT 3D legt auf großen Wunsch der Fans ständig neue Tassen-Clips nach. Bis dann irgendwann der Groschen fällt: „Ey, wir machen echte Tassen, wie die aus dem Film. Nur halt aus Porzellan.“ Antwort: „Super Idee, aber wie willst’n das machen?“



Der Sprung in die Realität

Denn wie sich herausstellt, ist die Umsetzung in Porzellan gar nicht so einfach. Klar, die Designer von FIFTYEIGHT 3D haben die lustigen Tassen bereits als 3D-Modell auf dem Computer entwickelt – und das sogar als voll bewegliche Charaktere. Mit diesen Daten sollten sich doch irgendwie anständige Tassen aus Porzellan gießen lassen, oder? Die Realität ist ernüchternd. „Ganz so einfach war es dann allerdings doch nicht, die 3D-Modelle in Porzellan zu verwandeln. Zumindest nicht, wenn man einen so hohen Anspruch an die Qualität zugrunde legt, wie wir das auch bei unseren Animationen tun,“ sagt Timm Osterhold.


Die drei Gründer finden schließlich eine Porzellanmanufaktur in Süddeutschland. Im Jahr 2009 geht die erste Kollektion von TASSEN-Produkten in Serie, anfangs noch sehr reduziert mit einfarbigen 500ml Schalen mit einigen unterschiedlichen Gesichtern. Die Resonanz ist ermutigend, wenngleich die „grinsenden“ Porzellanschalen eher in der Nische als im Massenbereich angesiedelt sind. Dennoch stellen die Gründer die Weichen für die Zukunft und widmen den Porzellanprodukten einen eigenen Geschäftsbereich: FIFTYEIGHT PRODUCTS.


Das Potenzial der TASSEN-Serie entdeckt schließlich Branchen-Insider Ralph Engelmann während der Tendence-Messe für Haushalts- und Wohnprodukte in Frankfurt im Sommer 2011. Engelmann sucht neue Marken und Porzellankollektionen im Auftrag der BHS tabletop AG, einer großen Hausnummer im deutschen Porzellangeschäft: Mit Hauptaugenmerk auf Hotellerie-Porzellan stellt das zertifizierte Unternehmen mit Sitz im bayerischen Selb und zwei nahegelegenen Produktionsstandorten pro Jahr rund 40 Millionen Stück Porzellan her. Zwar stellen die eigenwilligen Designs und Formen der TASSEN den Porzellanhersteller mit rund 1100 Mitarbeiter zunächst vor enorme Herausforderungen auf dem Weg in die Serienproduktion, aber schließlich liefert die BHS tabletop AG im Jahr 2012 den ersten Produktionslauf der TASSEN-Kollektion.



Echte Produkte, virtuelle Film-Hits

Anfangs ist das Sortiment noch „überschaubar“ mit vier Schalen, zwei Kaffeetassen und zwei Espressotassen. Aber im Laufe der Jahre wächst das Angebot auf mittlerweile rund 40 verschiedene Stücke von Weißporzellan, wobei FIFTYEIGHT PRODUCTS und die BHS immer wieder neue Wege in Sachen Herstellungstechnik und Produktdesign beschreiten. „An dieser Stelle sei gesagt, was wären wir ohne die Profis und Künstler auf Produktionsseite? Bereits ein paar Mal war ich schwer beeindruckt von der Art und Weise, sowie dem Know-How, mit welchen aufwändigen Wegen das Design erhalten wird, anstelle es mit einer leichter umzusetzenden Produktionstechnik in Teilen zu verwerfen“, sagt Max Zimmermann von FIFTYEIGHT PRODUCTS.


Was seit den Anfängen der TASSEN als virtuelle Filmstars in viralen Videoclips unverändert geblieben ist: Alle Gesichtsausdrücke der TASSEN entstehen direkt aus 3D- Animationsfilmen, die mittlerweile Kultstatus genießen. Auftritte der großen Teekanne, dem kleinen Kännchen, dem plärrenden Eierbecher oder den nach wie vor gnadenlos frotzelnden Tassen sorgen für Millionen von Klicks auf YouTube. Zum Weihnachtsfest standen die nordischen Kaffeebecher vor der Kamera und trällerten ihre Ballade „Froh und Munter“. Aktuell zeigt der 58 PRODUCTS YouTube-Channel die aufwändige Produktion der Schalen und Kaffeebecher mit farbigen Augen, die auf enorm positive Resonanz stoßen.


Über die TASSEN hinaus erweitert FIFTYEIGHT PRODUCTS sein Angebot ständig weiter, wobei stets emotionale Charaktere im Mittelpunkt stehen. Erst im Jahr 2015 kam die Reihe von TALENT-Tassen als Porzellan-Portraits künstlerischer Genies der Weltgeschichte ins Sortiment. Nach dem Motto „Runter vom hohen Sockel, rauf auf den gedeckten Tisch“ bedeutete die TALENT-Reihe mit ihren bildhauerischen Details auch eine Entwicklungsaufgabe, die produktionstechnisch zu meistern war. Aktuell kommt mit der „amüsierten“ Blumenvase das bereits zweite Deko-Objekt aus der TASSEN Kollektion auf den Markt und etabliert diese neue Produktkategorie als feste Größe im Angebot.


Aber egal ob emotionale Tassen, Schalen, Vasen oder Kaffeebecher, der Anspruch ist stets der gleiche. „Insgesamt sollen unsere Porzellanprodukte auf jeden Fall für Gesprächsstoff sorgen. Ich war von Anfang an überzeugt, dass der Grundgedanke der Kollektion darin liegt, die Leute zusammenzubringen“, sagt Max Zimmermann von FIFTYEIGHT PRODUCTS. „Wir wollen die Leute ins Gespräch bringen und wenn wir sie noch dazu zum Lachen animieren können – dann haben wir unseren Job erledigt.“

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